Posted 1 month ago

Electrified - “Coolwashing” auf Kosten der Szenewirtschaft

Carl Craig, Booka Shade, Crookers, Fritz Kalkbrenner alle für kleines Geld in Tempelhof. Klingt gut, oder?

Der Kübelwagenhersteller aus Wolfsburg umgibt sich mit von einer Agentur vorgeschlagenen Big Names der Elektronischen Tanzmusik (ungleich EDM), um vorgeblich für E-Mobility anzufixen. 

Als mich gestern ein guter Freund mit Gästeliste versorgen wollte, lehnte ich jedoch aus mehrerlei Gründen schroff ab: 

Erstens: Der Kübelwagenhersteller baut bis dato noch kaum E-Fahrzeuge und kämpft stattdessen ab und an sogar mit Stromausfall, weil seine Produktion so energieintensiv ist. Hier geht es, darum über die gebuchten Künstler und die angebliche Ökostrom-Karossen-Darstellung, Image-Building zu betreiben. Bezüglich Umweltschutz-Aspekten nennt man sowas “Greenwashing”, wenn’s um’s jugendliche Image geht, macht man eben aus dem “Golf Bon Jovi” halt auch mal schnell den “Fox Kalkbrenner”.

Ich freu mich für die Künstler, die bei solchen Events wesentlich höhere Gagen einstreichen als bei regulären Gigs, jedoch greift hier nun der zweite Grund, das Treiben in Tempelhof zu boykottieren: 
Es hängen in dieser Stadt eine Menge Jobs an den regulären Club-Betrieben. Clubs wie’s Gretchen müssen hart kämpfen, um für ein spannendes, internationales Programm zu sorgen. Die finanziellen Möglichkeiten in punkto Gagen, Werbung und Eintrittspreiskalkulation sind ganz andere, als wenn der Konzern X der Agentur Y ein Riesenbudget zu Verfügung stellt. 
Was mich besonders ärgert, ist, dass hier ein großer Konzern, den Markt verzerrt und mit seinen Sponsor-Tickets und Gästelisten-Dusche für ein halbleeres Tempelhof und für eventuell wirklich leere reguläre Clubs sorgt. Ich überspitze hier, um für Verständnis zu sorgen. 

Versteht mich nicht falsch, ich halte die z.B. Sound Foundation des Kübelwagenherstellers, über die Bands Tourfahrzeuge für kleines Geld mieten können, für mehr als gut. Mir fällt da kaum ein besseres Beispiel für Kultursponsoring ein. Solange also Konzerne nicht selbst als Veranstalter auftreten und mit Riesenbudgets den Markt verzerren, bitte.

Ansonsten liebe Autoschuster: Bleibt bei Euren Leisten!

Posted 3 months ago

Ein neues Mittelalter, ein neuer Sultan.

Erdogan will zurück zum Osmanischen Reich, zu korruptionsgeprägter Feudalwirtschaft mit Monopolen die der Sultan erweist. Na klar sind ihm da unabhängig ermittelnde Polizisten im Weg. Die Folgen von absolutistischer Zentralherrschaft aus Istanbul sieht man noch heute im gesamten Nahen Osten. Bis ins 18. Jahrhindert gab es im Osmanischen Reich nur drei Druckerpressen auf dem Niveau von Johannes Gutenberg, weil der Herrscher genau wusste, wie gefährlich für ihn Alphabetisierung und Informationsaustausch sind.

Und wir müssen aber gar nicht mit dem Finger zeigen, wir haben Typen wie Günther Krings, die unter akuter Neuland-Paranoia leiden.

Im Ernst. Wenn wir jetzt teilnahmslos hinnehmen, dass in Europa Sozialneid und Fremdenangst das Handeln bestimmen und nach der NSA-Überwachung auch noch per VDS eigene Überwachungsinstrumente geschaffen werden, dann wird ganz biblisch gesprochen, unsere Zivilisation in ein neues Mittelalter hinabgleiten. Ein Mittelalter mit Panzern, Atomwaffen und umfassender Überwachung. Ob diese Kugel, auf der wir hausen, das überstehen würde?
Ich bezweifle es.

Posted 6 months ago

Brücken brechen

Brücken brechen

Herzen brechen

Sich erbrechen

mit Menschen sprechen

nicht verstanden werden.

Ende?

Besser:

Verpuppung

Winterschlaf

Im Herbst auf den Frühling hoffen.

Posted 6 months ago

Mein Herz ist eine Festung.

Mein Herz ist eine Festung, betrieben von einer Batterie.
Getauscht wir diese einmal pro Dekade, doch geliebt werd ich nie.

Wärst doch Du mein Schrittmacher!

(Foto von 2007 nach erstem Boxenstop)

Posted 7 months ago

digitalloveaffairs:

I did this cover about two or three years ago with just one take at home, I cried a lot after that recording.

Ich hab mein I need a $ - Cover mal wieder ausgegraben. Stimmung ist trotz Job jetzt dieselbe wie damals bei der Aufnahme: Prokastination  x Prekariat x  Weltschmerz x Eurosoul.

Posted 8 months ago

*hug*

Ihr kennt das, virtuelles Herzen, eine geschrieben Umarmung, ein getippter Kuss… fühlt ihr Euch auch manchmal leer, wenn Ihr so etwas lest und es nicht als tatsächliche Berührung erfahrt?

Ich glaube, dass einsamen Menschen, diese nur mitgeteilte Anteilnahme, und diese nicht erfahrene Berührung sehr zu schaffen macht. Die Umarmung im Chat, so aufrichtig sie gemeint ist, ergibt nicht das tatsächliche körperliche Gefühl der Geborgenheit, allein wegen der Abwesenheit der Haptik.

Darum: wenn ihr einen Freund oder eine Freundin virtuell herzt und umarmt, drückt sie im wahren Leben nach Möglichkeit genau so herzlich.

Posted 8 months ago

Gewaltfreiheit in Palästina. Auf der Suche nach Gandhi.

Meine Liebe Freundin Julia Prosinger schrieb im Frühsommer über gewaltfreihen Widerstand in Palästina und  Ost-Jerusalem für das SOS-Kinderdorf-Magazin Ubuntu.

Der Artikel beginnt auf der Seite 26. Mir ging er sehr ans Herz. Euch vielleicht ja auch.

Posted 9 months ago

Na, auch schon bei der inneren Kündigung angekommen, weil ein inkompetenter Vorgesetzter immer absurdere Forderungen stellt, oder läuft der innere Jobmotor noch?

Ich möchte gerade jedem Personalchef auf die Fresse schlagen, der Bachelor-BWL-Absolventen ohne relevante Joberfahrungen und Sozialkompetenz einstellt!


Ich hab morgen frei, und geh jetzt Biere trinken. Prost!

Posted 9 months ago

Romantik in Zeitlupe.
In ihren Augen Ruhe finden.
quasi Teenagerliebe fühlen,
als wärs das erste mal.


The time is now!

Posted 9 months ago

Melt! Wir müssen reden…

Ich möchte heute über das Melt! Festival am vergangenen Wochenende berichten und ein paar grundsätzliche Dinge raushauen.

Vorab zum Hintergrund: Ich war von 2004 – 2007 selbst Mitarbeiter bei Intro, saß selbst zweimal im Produktionsbüro, betreute die erste Generation der Volunteers und durfte auch selbst viel Musik als Pausen-DJ beisteuern. Daran habe ich viele sehr schöne Erinnerungen. Für mich ist dieser Text daher schwierig, da ich hier Personen angreifen muss, die mir im persönlichen Umgang immer sehr sympathisch waren und sind. Ich hoffe, dass sie es als konstruktive Kritik begreifen.

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Liebes Melt! Lieber, alter Arbeitgeber!

Das Festival war wieder ein Erfolg, ausverkauft, super Wetter, super Line-Up, ein Licht-Spektakel und perfekte Sponsoren-Einbindung. Nur, wieder einmal habt Ihr den Künstlern und Sponsoren rote Teppiche ausgerollt und auf dem Gelände Perfektion gezeigt, aber für die Bedürfnisse der zahlenden Besucher kaum Gespür bewiesen.

Wir hatten drei Tage Sonne und Hitze satt, dabei kaum Schatten auf dem gesamten Gelände, und dann kostet der halbe Liter Trinkwasser drei Euro zuzüglich Pfand (also sechs Euro für einen Liter)?! Geht’s noch?! So ein Reibach auf Kosten der Gesundheit der Besucher?!

Auf den allermeisten Festivals in dieser Größenordnung gibt es eine kostenlose Trinkwasserversorgung auf den Campingplätzen, warum nicht auch bei diesem Vorzeige-Festival Melt? Für mich sind die gewonnenen LEA-Awards hinfällig, wenn ich sowas mitbekomme!

Ihr verwendet so viel Energie auf Billing, Professional-Area und Licht-Design, aber vergesst die menschlichen Primärbedürfnisse. Ich glaube, ich weiß auch warum: Kaum einer von Euch war selber einfach nur zahlender Besucher in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren. Ihr musstet zwar auch mal für den Festivalguide campen gehen, aber dank Freiware gab’s nie einen Mangel an irgendwas.

Man muss auch einfach begreifen, wie sich diese Kundenorientierung entwickelt hat: Intro ist ein Umsonstblatt, das sich zu fast 100% aus Anzeigenschaltungen finanziert. Zwar gibt es eine gute Redaktion, deren musikalische Empfehlungen ehrlich sind, jedoch ist nicht der Leser Kunde, sondern all diejenigen Firmen, Konzerne, Veranstaltungsagenturen und Locations, die die Reichweite der Intro für ihre Produkte nutzen wollen. Wenn so ein Magazin bzw. ein aus diesem Verlag hervorgegangener Konzern aus Magazinen, Event- und Booking-Agenturen als Festivalveranstalter auftritt, dann kennt es als Kunden nur die Werbepartner, sieht aber die Ticketkäufer nicht als Kunden sondern lediglich als Konsumenten an. Dies ist die Ursache für sowas.

Mein Empfinden bezüglich der Verhältnisse ist drastisch ausgedrückt: Der Fürst hält Hof, und der Pöbel darbt im Durst auf dem Sleepless Floor dahin.

Ich sollte still halten, weil ich ja selbst diverse Bändchen und durch den Engtanz-Container eine verdammt gute Zeit beim Festival hatte. Aber so verfährt das Melt! schon lange - alle irgendwie einbinden, damit keine Kritik oder gar Konkurrenz entsteht. Ich bin nur nicht so - wenn ich so eine Ungerechtigkeit sehe, dann spreche ich sie aus, auch wenn ich nun vielleicht zur persona non grata bei dieser sogenannten „Gemeinsamen Sache“ werden sollte.

Ich könnte jetzt auch noch auf anderen Themen wie diese neuen Chip-Karten-Bänder für die VIPs herumreiten, mit denen die Bewegungsdaten und das Konsumvehalten der VIPs und Pros an diversen Punkten abgegriffen wurde (angesichts von Prism und co ein totales Fail!),  oder organisatorische Mängel ankreiden, die wir beim Engtanz-Container erleben mussten - aber das sind Peanuts verglichen mit der pervertierten Kundenorientierung, die dieses Wochenende mal wieder offenbar wurde.

Klar könnte ich einfach den Mittelfinger zeigen und in Zukunft einfach auf die Fusion oder die Nation fahren und dort direkt mit Auto auf dem Gelände campen. Aber ich fühle mich dem Melt! verbunden und daher kotzt es mich schlichtweg an (copyright Olli Schulz), dass all die Kritik, die es schon seit Jahren gab, immer noch so ignoriert wird.

Ich möchte, dass Ihr Euch für die zahlenden Besucher genauso viel Mühe gebt, wie beim Booking. Ich möchte beim Melt! eine gute Festival-Freizeit und nicht Neo-Feudalismus mit einer straffen Klassengesellschaft erleben!

Mit freundlichen Grüßen,

Hendrik

Posted 9 months ago

Wenn das Wochenende…

so schön wie dieses war, hat man Angst vor dem Montag, vor dem grauen Alltag, vor dem Betrieb mit Menschen, die nach Fehlern suchen und diese triumphierend ausschlachten, um einen ein für alle mal los zu werden.

Ich könnte zum Arzt gehen, mich krank schreiben lassen. Gründe dafür gäbe es mehr als genug, und sei es nur, weil ich anders keine Zeit fände, zu mir zurück zu finden, mich zu sammeln, eventuell neu zu orientieren.

Ich habe Angst vor dem Morgen. It’s a war out there. Alle gegen alle, weil die ganz oben uns manipulieren und uns zu ihrem Vorteil aufeinander hetzen.

Flexibler Arbeitsmarkt, zumutbare Jobs? IHR da oben, IHR seid nicht mehr zumutbar für diese Gesellschaft, Parasiten! Die Dummheit der Ungebildeten auszunutzen, ist zentraler Bestandteil Eures Geschäftsmodells. Und für Euch arbeite ich auch noch?

Was ich bei Joseph Stiglitz über die Aushöhlung der Mittelschicht in den USA gelesen hab, das gibt es hier genau so. Krassestes Beispiel aus den Nuller-Jahren, die Riesterrente: Geld einem Versicherungskonzern in den Rachen kippen. Danke Gerhard Schröder, Dein Kumpel Maschi, hat sich sicherlich nicht bedankt und nur gedacht, “Hol Dir selbst ne Flasche Bier!”

In gewisser Hinsicht war ich clever, ich hab zwar nichts angespart, und nicht geriestert, weil ich mir jetzt schon darüber im klaren bin, dass ich eh für mich selbst sorgen muss, bis ich irgendwann ins Gras beiße, ich hoffe eigentlich nur noch ein bisschen auf Mindestliebe, das mit dem Mindestlohm hat sich wohl erledigt. Schönen Gruß an die Einzelhandelsbestreikenden VERDIaner; ich bin im Einzelhandel und bin weit unter Tarif bezahlt, und das im zweiten Jahr. Würd ich da aufmucken, wär ich schnell auf der Straße. also klappe halten, und buckeln; Zusehen, wie großkotzige Bachelor-BWLer, die Arbeitsstelle gegen die Wand fahren und sich noch einen auf ihre neue Position im Firmen-Diagramm hobeln.

Mindestliebe! Ich fordere das gleiche wie der großartige Poet und Frontmann von den Türen, Maurice Summen. Endlich etwas LIebe.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Posted 9 months ago

Vor Jahren hatte ich mal mit Trentemøller in der Maria am Ostbahnhof zusammen gespielt., wobei, naja, ich war Pausen-DJ, aber ich hatte nach ihm sogar eine knappe Stunde, um zur Primetime Gas zu geben. Hätte ihn mal mehr hören sollen. Das hier ist ausgesprochen vorzüglich!

 

Posted 10 months ago

Aretha am Piano. Hammer, wie sie “Bridge Over Troubled Water” interpretiert! Da bleibt kein Auge trocken!

Posted 10 months ago

Mich macht gerade was fertig… der Herkules in Kassel, war am Wochenende in allen Nachrichten, weil er jetzt Weltkulturerbe geworden ist.

Für mich bedeutet er etwas anderes, etwas sehr Schlimmes und Trauriges. Letztes Jahr im September hat sich dort meine liebste, beste Freundin zu Tode gestürzt. Ich konnte mich noch nicht von ihr verabschieden.

Posted 10 months ago

supportyourlocalghetto:

#earcandy —> A great oriential BassMusic Mix with original voices from the protest in Turkey which is happening right now. BigUp for this great mix!

“A political and cultural revolution has began in Turkey, spreading ideas of brotherhood and unity among us. We are now connected with our songs and stories. And no matter what may come that is something that can never be taken back.

Everywhere is taksim, resistance everywhere!”

Playlist on Soundcloud —> click

Mixed and Produced by Alican Aktürk and Zeynep Us. İstanbul 2013.